
Wednesday, November 06, 2024

Willkommen zur 16. Folge des Podcasts The Prompt Rebels. In dieser Episode nehmen wir dich mit auf eine besondere Entdeckungsreise durch die Ausstellung «Maschinenpoesie» im Strauhof Zürich. Die Ausstellung zeigt, wie sich Kunst und Technologie seit Jahrzehnten gegenseitig befruchten – von den ersten Schreibmaschinen-Experimenten bis zu modernen KI-Kunstwerken. Gemeinsam erkunden wir, was passiert, wenn Mensch und Maschine im kreativen Prozess aufeinandertreffen, und welche neuen Perspektiven diese Co-Kreation für die Kunst und für uns alle bereithält.
Die aktuelle Ausstellung «Maschinenpoesie» im Strauhof in Zürich führte uns zurück zu den Anfängen maschineller Kreativität und zeigte, wie sich Kunst und Technik seit Jahrzehnten gegenseitig inspirieren. Dieser Raum, gefüllt mit Schreibmaschinen-Textbildern, frühen Code-Poems und KI-generierten Werken, liess mich über die Entwicklung und Zukunft der Maschinenkunst nachdenken. Wie schaffen wir es, Maschinen als kreative Partner zu sehen, und was bedeutet das für unsere eigene Rolle als Künstler:innen und Kreativschaffende? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der aktuellen Episode.
Die Ausstellung «Maschinenpoesie» ist eine Reise durch die Geschichte der maschinengestützten Kreativität – von den Schreibmaschinen-Experimenten der 1970er Jahre bis hin zu heutigen Werken, die mit KI erstellt wurden. Ein zentrales Werk ist das Buch «Berlin, Miami» von Hannes Bajohr. Bajohr nutzt ein KI-Sprachmodell, das in «Co-Autorschaft» agiert: Er gibt der KI Anweisungen, lässt sie Sätze vervollständigen, behält aber die Hoheit über die finale Auswahl. So entsteht ein kreativer Dialog zwischen Mensch und Maschine. Das entspricht genau meiner Auffassung von Arbeit mit generativer KI: Wir stehen im Dialog mit der Maschine – es soll ein befruchtender Austausch sein.
Auch in meiner digitalen Neuinterpretation von Marina Abramovićs ikonischer Performance «The Artist is Present» entfaltet sich ein stiller Dialog zwischen Mensch und Maschine. Die humanoide Roboterin und eine Frau in Rot sitzen sich gegenüber; nach einigen Momenten hebt die Roboterin ihre Hand und legt sie auf den Tisch – eine symbolische Einladung, eine Brücke zwischen Mensch und Technologie zu schlagen. Die Frau erwidert die Geste zwar nicht physisch, aber ihr wohlwollender Blick signalisiert Akzeptanz und Reflektion. Diese Arbeit lädt das Publikum dazu ein, die Grenzen und Möglichkeiten neuer Verbindungen zu erkunden und fragt: Kann Technologie uns auf eine neue, nicht-physische Weise «berühren»? Hier gehts zum Video.
Bajohr untersucht eine tiefgründige Frage: Kann KI wirklich «miterzählen», oder bleibt sie ein Werkzeug, das bloss vorschlägt? In «Berlin, Miami» wird die KI bewusst so eingesetzt, dass narrative Kohärenz und chaotische Fragmentierung abwechseln. Dadurch wirkt der Text sowohl vertraut als auch befremdlich und zwingt uns, die Frage nach künstlerischer Urheberschaft neu zu stellen. Bajohrs Werk zeigt, wie KI nicht nur die Kreativität des Menschen erweitert, sondern auch zu einem eigenständigen Teil des kreativen Prozesses wird – allerdings unter menschlicher Lenkung.
Ein weiteres Beispiel in der Ausstellung ist das Werk «Computerized Haiku» von Margaret Masterman aus dem Jahr 1971. Masterman war eine Pionierin der maschinellen Sprachverarbeitung und stellte die Frage, wie Maschinen Poesie schaffen können, die uns emotional bewegt. Ihre «Computer-Haikus» basierten auf simplen Mustern und Algorithmen, doch die Ergebnisse sind erstaunlich poetisch. Ein Beispiel lautet:
«I sense the sun in the street,
all space in the street.
Bang! The sun has slid.»
«Ich spüre die Sonne auf der Strasse,
den ganzen Raum auf der Straße.
Peng! Die Sonne hat sich verschoben.»
Dieses Haiku zeigt, dass auch einfache Algorithmen poetisch wirken können. Was uns berührt, ist die Struktur, die uns das Menschliche widerspiegelt. Diese frühen Experimente legen die Grundlage für das, was KI heute kann – eine neue Ebene maschineller Kreativität, die wir in die eigene Hand nehmen und weiterführen können.
Ich selbst habe im Winter 2023/2024 mit KI-generierten Inhalten für meine audiovisuelle Installation «Fragmente» experimentiert. In meiner Installation führten unter anderem selbst verfasste Haikus die Besucher:innen auf eine poetische Reise durch die historische Kneippanlage, aber eine KI-generierte Stimme navigierte die Besucher:innen durch die Anlage. Durch eine Mischung aus natürlichen Soundscapes, KI-generierten Klängen und menschlichen Stimmen entstand ein akustischer Pfad, der die Verbundenheit zwischen Mensch und Natur in den Mittelpunkt stellte. Eine KI-generierte Stimme begleitete die Besucher:innen und verstärkte die Reflexion über die drängende Frage des verantwortungsvollen Umgangs mit unserer wertvollen Ressource Wasser. Hör hier rein.
Mich fasziniert, wie weit uns maschinelle Kunst heute bringen kann – und was sie über unsere eigene Kreativität offenbart. Kreativität lebt von Inspiration und Austausch, und mit generativer KI haben wir nun einen kreativen Partner, der uns 24/7 zur Seite steht. Dabei geht es nicht darum, die Ergebnisse der Maschine einfach ungefiltert zu übernehmen, sondern darum, im Dialog Neues zu erschaffen, an die Grenzen zu gehen und den Mut zu finden, radikal zu experimentieren.
Ein Highlight der Ausstellung, das mich besonders beeindruckt hat, ist der Textgenerator «The Seeker» von Thricedotted aus dem Jahr 2014. In diesem Werk schlüpft die KI in die Rolle eines Protagonisten, der die menschliche Natur «erforscht», indem er WikiHow-Artikel über menschliches Verhalten studiert und die gewonnenen Erkenntnisse in eine narrative Form bringt. Dabei stellt sich die spannende Frage: Können Maschinen durch das Lesen und Nachbilden menschlicher Texte wirklich so etwas wie «Verständnis» entwickeln? Im Jahr 2014 klang das noch nach reiner Utopie – doch heute, nur zehn Jahre später, scheinen wir dieser Vorstellung bereits überraschend nahe zu sein.
Ein weiteres faszinierendes Werk ist «Sonnenblicke auf der Flucht» von Tunnel23 – ein Gedicht, das vollständig von einem neuronalen Netzwerk verfasst wurde. Die KI hat darin eine eigene poetische Sprache entwickelt. Die zentrale Frage lautet hier: Kann eine KI die Essenz der Poesie erfassen, oder bleibt sie nur eine Sammlerin von Mustern? Auch wenn das Gedicht nicht immer im herkömmlichen Sinne «logisch» wirkt, erzeugt es dennoch eine emotionale Resonanz und vermittelt ein starkes Gefühl von Ästhetik und Rhythmus.
Und zu guter Letzt: Die Arbeit von Ada Lovelace, die als die erste Programmiererin der Welt gilt. Lovelace arbeitete mit Charles Babbage an der «Analytical Engine», einer frühen Rechenmaschine und schrieb das erste bekannte Programm. Sie träumte davon, dass Maschinen einmal Musik komponieren oder Kunst schaffen könnten. Ihre visionären Ideen wurden damals kaum ernst genommen, doch sie legten die Grundlage für alles, was heute im Bereich der maschinellen Kreativität passiert.
Was erstaunlich ist: Programmieren war in den Anfängen häufig ein Berufsfeld für Frauen. In den 1940er- und 50er-Jahren, als Computer zunehmend für wissenschaftliche und militärische Zwecke genutzt wurden, waren es vor allem Programmiererinnen, die als Pionierinnen die «unsichtbare» Arbeit verrichteten – während ihre männlichen Kollegen sich auf die Hardware konzentrierten. Doch mit steigendem Ansehen der Softwareentwicklung änderte sich dieses Bild: Männer wurden zunehmend durch soziale und kulturelle Strukturen in die Programmierung gedrängt, und Frauen wurden systematisch aus dem Feld verdrängt. Heute sehen wir zum Glück wieder mehr Vielfalt in der Tech-Welt. Vielleicht trägt die kreative und künstlerische Anwendung von KI dazu bei, das Feld erneut für alle zugänglicher zu machen und neue Perspektiven zu fördern.
Diese Entwicklung – von einem «Frauenberuf» hin zu einem männlich dominierten Feld – zeigt eindrücklich, wie stark gesellschaftliche Stereotype Technologie und Karrierepfade beeinflussen können. Die hartnäckige Vorstellung, dass Technik oder Mathematik «männliche» Disziplinen seien, wird durch die Geschichte widerlegt, insbesondere durch das Vermächtnis von Ada Lovelace. Als erste Programmiererin der Welt legte sie einen Grundstein, der zeigt: Innovation ist nicht an Geschlecht gebunden. Die Ausstellung verdeutlicht das auf eindrucksvolle Weise und bietet uns die Gelegenheit, die oft unsichtbare Arbeit dieser frühen Pionierinnen zu würdigen – und gleichzeitig darüber nachzudenken, wie wir diese Tradition in einer gerechteren Tech-Zukunft fortführen können.
Fazit: Maschinenkunst und das kreative Potenzial von KI
Die Ausstellung «Maschinenpoesie» zeigt eindrucksvoll, dass maschinengestützte Kreativität uns weit über die traditionelle Vorstellung von Kunst hinausführen kann. Durch den Einsatz von Algorithmen, Schreibmaschinen und KI-Modellen treten wir in einen Dialog mit der Maschine, der uns dazu bringt, unsere eigenen kreativen Grenzen zu erweitern. Die Ausstellung macht Lust darauf, mit Maschinen zu experimentieren und die Frage nach Urheberschaft, Kreativität und Inspiration neu zu denken.
Diese Reise von den Schreibmaschinen-Pionier:innen bis hin zu modernen KI-Werken zeigt uns, dass Maschinen heute nicht nur Werkzeuge sind, sondern als kreativer Sparringspartner agieren können. Sie können uns inspirieren, uns herausfordern und dazu führen, dass wir unsere eigenen Ideen noch radikaler hinterfragen.
Hast du Lust bekommen, die Ausstellung selbst zu erleben? Die Ausstellung ist noch bis Ende Januar 2025 zu sehen und zu erleben. Neben der Ausstellung gibt es spannende Führungen, Lesungen und Workshops – perfekte Gelegenheiten, um tiefer in das Thema einzutauchen.
Ich würde mich besonders freuen, dich beim Stammtisch zu Künstlicher Intelligenz zu treffen. Ich bin am 14. November und 12. Dezember 2024, jeweils um 18 Uhr, dabei. Lass uns gemeinsam über die Zukunft der KI und das Potenzial von maschinengestützter Kunst diskutieren. Bis bald?
Um meine kreative Freiheit zu wahren und urheberrechtliche Stolperfallen zu vermeiden, haben alle Figuren im Podcast Künstler:innen-Namen bekommen:
- Kai aka das Kollektiv aus Chattipy, Klud und Jeremy und neu von Perpexxi
Für diese Episode habe ich verschiedene KI-Tools verwendet, darunter ChatGPT und Perplexity für die Recherche sowie Speechify für die Stimme von Kai und Adobe Firefly für die Bilder. Meine Stimme habe ich direkt mit dem Macbook aufgenommen und danach mit Adobe Podcast optimiert. Den Podcast habe ich mit Adobe Audition geschnitten. Die Geräusche und Special Effects stammen von Splice, der Sound von Suno. Gehostet wird der Podcast auf Podbean, von wo aus er auf allen grossen Podcastplattformen verteilt wird. Für die Erarbeitung des Blogposts habe ich Perplexity und ChatGPT verwendet.
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Bis zur nächsten Episode,
deine Diana
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